




Von Christina Peitz
Kassel/ Berlin. Während der Fußball EM sind in Berlin jede Menge Deutschland-Flaggen zu sehen, aber die wahrscheinlich originellste kommt aus Kassel: Sie ist mit 2,40 mal 2,40 Meter nicht nur ziemlich groß, sondern auch in der ganzen Stadt unterwegs. Außerdem weht sie ganz ohne Wind - in jeder Kurve.
"Wir haben uns überlegt, dass zur EM an so vielen Autos Fahnen zu sehen sind, warum sollten Busse da eine Ausnahme machen?", sagt Markus Mazur, Vertriebsleiter des Bereichs Übergangssysteme für Straßenfahrzeuge beim Kasseler Unternehmen Hübner GmbH. Die Firma produziert seit über 50 Jahren Faltenbälge und Gelenk-Systeme, also jene Elemente, aus denen die Verbindung zwischen zwei Busteilen besteht. Die Übergänge an zwei Gelenkbussen in Berlin erstrahlen nun passend zur EM in Schwarzrotgold - und erinnern bei jeder Bewegung an eine Fahne im Wind.
Einen ersten Test zur Herstellung der farbigen Faltenbälge gab es bei Hübner bereits im Vorfeld der documenta 12: Gemeinsam mit mehreren Künstlern gestaltete man einen Gelenkbus-Übergang mit dem Kasseler Himmelsstürmer. So ein Auftrag bedeute mehr als bloßes Einfärben des Faltenbalgs, betont Mazur: Zum einen benötigt man einen hochflexiblen Lack, zum anderen muss das Motiv und sein Effekt in der der Kurve berechnet werden. Besonders bei Schriftzügen, mit denen das Unternehmen zur Zeit experimentiert, ist das nicht einfach.
Weitere Anfragen
"Seit die Busse durch Berlin fahren, haben wie bereits mehrere Anfragen für farbige Faltenbälge bekommen", sagt Mazur. Er könne sich gut vorstellen, dass bunte Übergänge bei Busunternehmen zukünftig sehr gefragt seien - auch als Werbefläche.
Die Firma Hübner ist nach eigenen Angaben mit einem Marktanteil von über 80 Prozent weltweit Marktführer bei der Herstellung von Gelenkbus-Systemen. Produziert werden nicht nur Faltenbälge, sondern die kompletten, 1,60 Meter langen Zwischenelemente aus Gummi, Gewebe, Gelenk, Elektronik und einer Plattform für die Fahrgäste. Außerdem stattet die Firma Hübner auch Straßenbahnen, Regionalzüge und ICE mit Faltenbälgen aus.
"Die Anforderungen sind bei jedem Fahrzeug unterschiedlich", erklärt Mazur. "Bei der Entwicklung müssen vor allem die Fahrtgeschwindigkeit, das Wanken und der Knickwinkel berücksichtigt werden." Bei Bussen sei außerdem wichtig, wie das Fahrzeug angetrieben wird: Die meisten Busse haben einen Hinterachsantrieb. Daher muss das Gelenk-System so konstruiert sein, dass es das Fahrzeug stabilisiert. Nur so kommt der vordere Busteil auch bei Extrembedingungen wie Straßenglätte sicher um die Kurve.